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Frisbee Club Flying Angels Bern

Berner wirft Frisbee an die Weltspitze

vom:
30.10.2009
Quelle:
Der Bund
Autor:
Rémy Kappeler

Artikel Inhalt

Lorenz Stauffer von den Flying Angels Bern hat den Sprung nach Nordamerika geschafft: Am Wochenende spielt er mit einem Team aus San Francisco um den US-Titel.

Er gilt als einer der besten Spieler der Schweiz und hat hierzulande alles gewonnen, was es in der Teamsportart Ultimate zu gewinnen gibt: Zwölfmal holte Lorenz Stauffer mit den Flying Angels Bern den Meistertitel, davon zehnmal in Serie. «Es macht riesig Spass, mit den Angels zu spielen. Sie sind ein kleiner, verschworener Haufen, der auf einem Niveau spielt, das nicht selbstverständlich ist», sagt Stauffer über das Team, welches er auch trainiert. Der Berner hat auch im Ausland schon Duftmarken gesetzt. Bis in die nordamerikanische Meisterschaft, die als die weltweit beste Liga gilt, hat er sich vorgearbeitet. Dort liegen die Teams so nahe beieinander, dass es niemanden erstaunt, wenn der Clubweltmeister ein Jahr später schon vor der Endrunde ausscheidet. So geschehen in diesem Sommer, als Stauffer selber auf dem Feld stand: Zusammen mit dem Team San Francisco JAM qualifizierte er sich auf Kosten von Furious George Vancouver für die Finalrunde. «Das war ein Supererfolg», sagt Stauffer. Doch was nun ansteht, wird alles andere als ein Spaziergang. «In den Viertelfinals kann alles passieren. Da reicht ein mit einem Punkt verlorener Match, und die Saison ist zu Ende.»

Lehrjahre in den USA

Am Anfang seiner internationalen Karriere stand auch ein knapper Match. An einem Beach-Turnier in Rimini spielten die Angels gegen ein amerikanisches Team. Stauffer mass sich während des ganzen Matches am selben Spieler. Dieser kam nach Spielende auf ihn zu und gratulierte ihm. Es war der Captain der Santa Barbara Condors, eines Topteams aus Kalifornien. «Ich fragte ihn, ob ich mal mit ihnen trainieren dürfe», erzählt Stauffer. Schon im darauf folgenden Jahr besuchte er während eines Monats die Condors. Bis er allerdings zum ersten Mal die dreimonatige teaminterne Qualifikation für die US-Meisterschaften erfolgreich bestand, vergingen zwei Jahre. Stauffer und die Condors beendeten die Meisterschaft 2005 auf dem neunten Rang. «Ich war enttäuscht, aber realistisch genug, um zu wissen, dass wir zufrieden sein mussten», blickt Stauffer zurück.

In dieser Zeit machte er sich einen Namen als vielseitiger, ruhiger Spieler. Zudem ist er ein exzellenter Werfer. Und er ist Linkshänder. Eine Kombination, die gesucht ist. «Wenn ein Team über starke Rechts- und Linkshänder als Werfer verfügt, wird es für den Gegner in der Verteidigung viel schwerer», erläutert er. Diese Konstellation kam ihm zwei Jahre später wieder zugute, als er – unterdessen hatte er sein Studium in Betriebswissenschaft und Psychologie abgeschlossen – erneut mit den Condors spielte. Es reichte nur für den zehnten Rang. In dieser Zeit entstanden Kontakte zu den San Francisco JAM, die ihn im Jahr darauf einen Job und eine Wohnung in San Francisco in Aussicht stellten: «Gerne hätte ich die Qualifikation gespielt, doch es scheiterte am Arbeitsvisum», sagt Stauffer, der kurz darauf in Bern seinen jetzigen Job als Betriebswirtschafter im Personalmanagement bei der BKW fand. 2009 klappte es endlich. An einem Vorbereitungsturnier in Seattle überzeugte er und wurde ins Team aufgenommen, ohne die Qualifikation zu spielen.

Schwierige Vorbereitungszeit

Die Vorbereitungszeit stellte sich aber als schwierig heraus. Während in der Schweiz die Saison lief, trainierte er zusammen mit den Angels. «Als die Saison zu Ende war, fehlten mir Trainigsmöglichkeiten, um fit und technisch auf der Höhe zu bleiben», sagt Stauffer. Trockene Wurfeinheiten, Hallentrainings und körperliche Übungen mussten als Ersatz reichen. «Da fühlte ich mich in der Schweiz manchmal schon etwas einsam», so Stauffer. «Das Interesse der Berner an meinem Tun ist nicht klein. Trotzdem wissen viele nicht, wie hart ich dranbleiben muss.»

«2005 war ich am fittesten»

An Durchhaltewillen und Ehrgeiz fehlt es Stauffer nicht. Ab 1988, als er mit elf Jahren die erste Scheibe warf, begleitete ihn das runde Plastik überallhin. Er spielte Turnier um Turnier, bald schon auf internationaler Ebene. «1994 sah ich erstmals das beste New Yorker Team. Es war für mich ein Überteam», erinnert er sich. Der Respekt war gross. Dennoch brachte Stauffer seine Leistung. Er könne in einem US-Topteam mithalten, beschieden ihm die Amerikaner. «Das Lob schmeichelte mir, ich nahm es jedoch nicht sehr ernst», erinnert sich Stauffer. Heute weiss er es besser. Er hat gelernt, mit dem Erfolgsdruck in der amerikanischen Liga umzugehen, und glaubt an seine Chancen: «2005 war ich am fittesten. 2007 spielte ich am besten. Und dieses Jahr könnte meine erfolgreichste Saison werden.»